Sektember: Sekten

Sektember: Sekten

Wir starten unseren Themenmonat Sektember mit dem Thema „Sekten“.

Dir fällt beim Begriff „Sekten“ nur irgendein dämlicher Witz mit Ameisen, Kirchen und Insekten ein? Dann hast du jetzt die Gelegenheit, mit neuem Wissen über Sekten zu glänzen! (Das gilt natürlich auch für alle anderen! 😉 )

Was sind Sekten eigentlich?

Schon die erste zu klärende Frage ist gar nicht mal so einfach zu beantworten. Ganz neutral (und eher veraltet) bedeutet der Begriff „Sekte“ nichts weiteres als eine „Abspaltung von einer großen Glaubenslehre“ – so wären zum Beispiel die ersten Christen eine jüdische Sekte. Der Sektenbegriff wird aber heute meistens deutlich negativer ausgelegt. Im Duden heißt es:

Eine Sekte ist eine kleinere Gemeinschaft, die in meist radikaler, einseitiger Weise bestimmte Ideologien oder religionsähnliche Grundsätze vertritt, die nicht den ethischen Grundwerten der Gesellschaft entsprechen.

Einfacher gesagt verstehen wir unter Sekten oft religiöse Fanatiker mit radikalen Überzeugungen.

Soweit die Theorie. In der Praxis ist es oft aber gar nicht so leicht, Sekten zu erkennen. Solche Sekten, die sich nicht sofort als solche zu erkennen geben, heißen Psychokulte. Diese versprechen zum Beispiel, dass man durch spezielle Kurse alle persönlichen Probleme beheben kann oder sogar in der Lage sei, große gesellschaftliche Probleme zu lösen. Wenn man eine Sekte erkannt hat, zeichnen die sich oft durch eine eindeutige Unterscheidung zwischen Gut und Böse, einer Isolation der Mitglieder oder auch einer Intoleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen aus.

Welche Sekten gibt es?

Alle Sekten dieser Welt aufzuzählen, würde ewig dauern. Allein in Deutschland sollen zwischen 300 und 600 (teils natürlich sehr kleine) Sekten aktiv sein. Eine sehr bekannte Sekte ist zum Beispiel

Scientology

Die Hauptversprechungen von Scientology sind „Gesundheit“, „Erfolg“, „persönlicher Durchbruch“ und „die Entdeckung des wahren geistigen Potentials“. Scientology will dem Menschen einen Zustand geistiger Freiheit vermitteln.

Dabei vertritt Scientology eine antidemokratische Haltung, die in keinster Weise mit unserer Gesellschaft zu vereinbaren ist, was sich unter anderem im Umgang mit Homosexualität bemerkbar macht. Laut dem Gründer L. Ron Hubbard ist diese auf einer „gefährlichen, heimtückischen“ Stufe des „Perversen, Heuchlers und Wendehalses“ einzustufen. Weiterhin empfiehlt er sogar, homosexuelle Menschen aus der Gesellschaft zu entfernen und einzusperren.

Das Scientology-Hauptquartier in Los Angeles

 

Erreicht werden sollen die Ziele dieser Sekte durch sogenannte Auditings – lange, extrem teure Kurse, in denen man „clear“ gemacht werden soll, also alle „negativen Daten“ eines Menschen ausgelöscht werden sollen. Ein Auditing-Kurs kostet bis etwa 2.300 €.

Das Leben der Anhänger dreht sich nur noch um Scientology – soziale Kontakte sollen losgesagt werden, Kinder werden in speziellen Scientology-Einrichtungen erzogen und das gesamte Vermögen wird in Scientology gesteckt.

Ein Austritt gestaltet sich extrem schwierig. Wer austritt, erhält oft Drohbriefe, wird verfolgt und verliert ihr/sein komplettes soziales Umfeld, was sie/ihn nicht selten in den Selbstmord treibt.

Die Zeugen Jehovas

Bestimmt hat jeder von euch schon einmal die Zeugen Jehovas bei ihrer Missionsarbeit mit Rollwägen gesehen, aber wofür stehen die Zeugen Jehovas eigentlich?

Zeugen Jehovas während ihrer Missionsarbeit

Die Zeugen Jehovas lehnen ihre Bezeichnung als „Sekte“ ab.

Die Zeugen Jehovas gehen davon aus, dass die Bibel Gottes Wort ist. Laut der Bibel steht das Ende der Welt kurz bevor. In dem nach dem Ende der Welt kommendem Paradies leben alle Menschen, die treu Jehova – dem nach der Ansicht der Zeugen Jehovas „wahren“ Gott -, gedient haben. Alle anderen kirchlichen und staatlichen Institutionen werden vernichtet. Um in dieses Paradies zu gelangen, müssen demnach die durch Gott festgesetzten Grundsätze eingehalten werden. Beispielsweise wird nur eine Taufe der Zeugen Jehovas anerkannt. Zeugen Jehovas müssen außerdem eine gewisse Zeit in ihre Missionsarbeit (also das angesprochene Verteilen von Flyern oder Hausbesuchen) investieren.

Das Hauptquartier der Zeugen Jehovas im US-Bundesstaat New York

Die Zeugen Jehovas verblüffen bei ihrer Auslegung der Bibel und ihrer Bereitschaft, sich so engagiert für ihren Glauben einzusetzen und sogar ihr Leben einzusetzen, um ins Paradies zu kommen.

An der Auslegung der Bibel besteht aber auch ein großer Kritikpunkt: Bibelstellen, die den Zeugen Jehovas nicht passen, werden kurzerhand ignoriert oder in ihrer eigenen Übersetzung angepasst. Desweiteren werden -wie schon angesprochen- andere Weltanschauungen nicht akzeptiert.

Ein weiterer Kritikpunkt besteht im Umgang mit dem Staat und der Gesellschaft. Zeugen Jehovas lehnen Bluttransfusionen ab, wählen nicht und feiern auch keine Geburtstage. Auch hier gestaltet sich der Austritt schwierig- zwar nicht genau so schwierig wie bei Scientology, aber auch nicht sehr einfach. Wer austritt, wird als Abtrünniger bezeichnet und sozial ausgegrenzt. Nicht einmal die eigenen Kinder dürfen einen Abtrünnigen grüßen.


Weitere Sekten werden euch im Laufe des Monats vorgestellt – bleibt gespannt!


Quellen:

  • Buch: Sekten – 99 Fragen, Hg. von Ulrich Rausch, München, Heyne-Verlag, 1999
  • Broschüre: Die Scientology-Organisation – Gefahren, Ziele und Praktiken, Hg. im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Köln, 1998
  • https://blog-gegen-scientology.com/2017/08/10/frisch-aus-dem-ofen-die-aktuelle-preisliste-von-scientology/ , 10.9.2019
  • www.planet-wissen.de/kultur/religion/jenseits_der_traditionellen_kirchen/miesesimagetrotzhollywoodprominenz100~_v-ARDFotogalerie.jpg , 10.9.2019
  • www.ruhrnachrichten.de/bilder/die-schwerter-zeugen-jehovas-klaus-bullmann-und-sven-hilse-1684362h.jpg , 10.9.2019
  • https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8d/Jw_headquart.jpg , 10.9.2019

 

 



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